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05. Feb 2010 | People

 
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CORNY LITTMANN IM GESPRÄCH

Wir trafen uns mit Corny Littmann und sprachen über CSD, Fußball und gesellschaftliche Veränderungen.

DU BIST SEIT 1980 SZENEBEKANNT, ALS DU SEHR ÖFFENTLICHKEITSWIRKSAM EINEN SPIEGEL AM JUNGFERNSTIEG ZERSCHLAGEN UND SOMIT AUF DIE WIDERLICHE SITUATION FÜR HOMOSEXUELLE HINGEWIESEN HAST. WIE SIEHST DU DIE VERÄNDERUNG SEITDEM? HAT SICH VIEL GETAN? UND WIE WICHTIG IST DER CSD EIGENTLICH NOCH?
Also in den westeuropäischen Großstädten, hat sich in der Tat seit ungefähr zwanzig Jahren viel verändert. Aber es ist ein Trugschluss zu meinen, dass damit gesellschaftliche Veränderung einhergeht. Die Lebenssituation von Homosexuellen in den deutschen Metropolen hat sich allerdings positiv verändert. Die Situation von jungen Schwulen und Lesben auf dem Land unterscheidet sich aber meiner Kenntnis nach nicht wesentlich von der vor zwanzig Jahren. Es gibt immer noch große Ängste und großes Unverständnis. Es ist für Eltern und Familie in den ländlichen Gegenden immer noch eine große Katastrophe, wenn der Sohn schwul oder die Tochter lesbisch ist. Insofern gibt eine Menge zu tun. Ich habe so meine Zweifel, dass der CSD jetzt in den deutschen Metropolen wie Berlin, Köln oder Hamburg so viel zur Veränderung beiträgt. Trotzdem ist er eine wichtige und auch notwendige Veranstaltung. Wie wichtig ein CSD sein kann, zeigt sich ja derzeitig in den osteuropäischen Ländern in jedem Fall deutlicher als bei uns. Was es gemessen am europäischen Maßstab in Osteuropa an Repression gibt, ist für uns Deutsche ja fast kaum noch vorstellbar.

ZUNEHMEND GIBT ES DIESE GEWALT JA AUCH HIER BEI UNS IN DEUTSCHLAND.
Ja schon, aber wir haben in Deutschland deshalb ein Problem, weil von regierungsoffizieller Seite immer noch bestritten wird, dass wir ein Einwanderungsland sind, obwohl das schon längst der Fall ist. Wir haben die sogenannte Migrantenproblematik, die sich natürlich auch dadurch ausdrückt, dass die Migranten eigene kulturelle Gemeinschaften bilden, dass sie ganze Stadtviertel oder Wohnviertel bevölkern, dass sie abgeschoben werden in Ghettos, dass sie eben gerade nicht integriert sind. Dann kommen diese kulturellen Konflikte zum Tragen, und da gehört Schwulsein an eine der ersten Stellen. Es gelingt nicht, die ausländischen Bürgerinnen und Bürger in ein deutsches Sozialwesen zu integrieren, ohne dass sie ihre eigenen Werte dafür aufgeben. Mit Sicherheit muss auch vermittelt werden, dass es hier in Deutschland andere Werte gibt, die wichtig sind.

FUSSBALL IST EIN ANDERES GROSSES, WICHTIGES THEMA IN DEINEM LEBEN. DU BIST VEREINSPRÄSIDENT BEIM FC ST. PAULI. WIE SIEHST DU AKTUELL DIE SITUATION FÜR SCHWULE FUSSBALLSPIELER? AUCH IN BEZUG AUF AUSSAGEN WIE VON THEO ZWANZIGER.
Zum einen ist es erstaunlich, und natürlich sehr begrüßenswert, dass sich ein DFB-Präsident so klar und deutlich gegen die Diskriminierung von Schwulen im Fußball ausspricht. Das ist ungewöhnlich und war auch von seinen Vorgängern nie zu hören. Da hat offenbar schon ein Bewusstseinswandel eingesetzt. Auf der anderen Seite muss man wissen, dass die Möglichkeiten des DFB überhaupt regulierend einzugreifen außerordentlich beschränkt sind. Die wesentliche Diskriminierung spielt sich in den Mannschaften und in den Vereinen und natürlich im Verhältnis von Trainer und Mannschaft ab. Es sind ja, wenn man so will, kleine Zirkel zwangsweise zusammengeworfener Männergruppen, die sportlich erfolgreich sein sollen. Bei den dortigen Verantwortlichen die Vorurteile und reaktionären Grundmuster aufzubrechen ist ein sehr schwieriger und langwieriger Prozess. Die Äußerungen zum Beispiel von Christoph Daum sind da ja nur die Spitze des Eisbergs. Ich bin davon überzeugt, dass über die Hälfte der deutschen Trainer im Profibereich seine Ansichten teilen. Er ist nur dreist genug, sie öffentlich zu äußern.

•Interview: Christian Knuth

 

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