02. Dez 2009 | Sexualität |
AUFGEKLÄRT HIV: SEXUELLER FRUST STATT LUST
Wenn das liebste Teil nicht mehr so will, wie es soll, oder in Vergessenheit gerät, heißt das für die meisten Männer: Alarmstufe Rot. Für eine sexuelle Funktionsstörung gibt es eine ganze Reihe von Ursachen. Häufig tritt sie auch im Zusammenhang mit HIV auf.
Ab wann spricht man von einer sexuellen Störung? Alkohol, Drogen, Frust und Stress – da geht oft nichts oder nur wenig. Das wissen die meisten. Im „Normalzustand“ ist dann wieder alles o. k., kein Grund zur Panik also. Problematisch wird es erst, wenn die sexuelle Unlust anhält, das gute Stück ständig nur auf Halbmast hängt oder sogar die Morgenlatte ausbleibt. Wenn also Libidoverlust, Erektionsschwäche oder Ejakulationsstörungen mehr als ein halbes Jahr andauern und der Geschlechtsverkehr sieben von zehnmal erfolglos bleibt, spricht der Arzt von einer sexuellen Dysfunktion.
WIESO, WESHALB, WARUM BLEIBT ER EINFACH KRUMM?
Bei Menschen mit HIV treten sexuelle Störungen bei mehr als der Hälfte der Betroffenen auf, am häufigsten Erektionsstörungen. Zum einen ist unumstritten, dass die Infektion selbst und die HIV-Medikamente eine Ursache dafür sein können, zum anderen ist die Lebenserwartung von HIV-positiven Männern heute praktisch genauso hoch wie die HIV-negativer. HIV-positive Männer werden also wie alle anderen von Alterserscheinungen heimgesucht, die auch sexuelle Störungen bewirken können. Neben dem natürlichen Testosteron-Rückgang zählen dazu alterstypische Leiden wie z. B. Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht. Kritisch sind auch lasterhafte Lebensgewohnheiten wie Rauchen, Alkohol, Drogen und Bewegungsmangel, kurz alles, was Nerven und Gefäße schädigt. Eine Erektionsschwäche kann im Übrigen auch ein Hinweis auf eine entsprechende Erkrankung sein.
Nicht zu unterschätzen sind natürlich psychische Belastungen. Viele Menschen mit HIV haben Angst, andere anzustecken, oder leiden an mangelndem Selbstvertrauen.
Außerdem können auch Medikamente sexuelle Störungen verursachen, beispielsweise Fettsenker, Antidepressiva, verschiedene Schmerzmittel und Schlafmittel. Treten sexuelle Störungen bei HIV-Patienten nach einem Therapiewechsel auf, sollte der Schwerpunktarzt darüber informiert werden.
HILFE, NICHTS GEHT MEHR!
So, wie es ist, muss es ja nicht bleiben. Mitunter lässt sich eine Erektionsschwäche schon durch einen gesunden Lebensstil beheben. Die Frage in diesem Zusammenhang lautet: Wie steht’s mit Alkohol, Zigaretten und Drogen? Sportliche Betätigung regt den Stoffwechsel und die Durchblutung an – auch in der Körpermitte – und steigert ganz allgemein das Wohlbefinden. Wer unter Stress leidet, sollte versuchen, sich hin und wieder eine Auszeit zu nehmen oder sich Strategien zur Stressbewältigung aneignen.
Und wenn das nicht hilft? Der Arzt des Vertrauens wird versuchen, durch Fragen und weiterführende Untersuchungen die Ursache für die Störung herauszufinden. Möglicherweise schlägt er einen Medikamentenwechsel vor.
Wenn gar nichts mehr geht, gibt es – der Pharmaindustrie sei Dank –wirksame Potenzmittel: die berühmten blauen Pillen. Sie sind zwar verschreibungspflichtig und werden auch leider nicht von der Krankenkasse bezahlt, können aber „ihm“ wieder zu einer strammen Haltung verhelfen. Aber Achtung: Die Kombination von Potenzmitteln und HIV-Medikamenten, insbesondere mit Protease-Inhibitoren, ist mit Vorsicht zu genießen. Einige Medikamente verstärken die Wirkung der Potenzmittel. Oft reicht schon eine viertel oder halbe Tablette – so freut sich auch das Portemonnaie. Auf gar keinen Fall darf das Potenzmittel mit nitrithaltigen Substanzen wie Poppers kombiniert werden, denn dabei kann es zu starkem Blutdruckabfall kommen, bis hin zum Tod.
BEI FRAGEN ZUM THEMA HIV: M.PHILIPP@BERLINAPOTHEKE.DE
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