

MARSEILLE
MARSEILLE & LA PROVENCE
DIE HEIMAT DES LAISSEZ-FAIRE
Bereits auf dem Flug nach Frankreich mit Air France wird man eindrucksvoll auf das Land und seine Menschen eingestimmt: Die mit Abstand gepflegtesten, am besten gekleideten und bestgelaunten Männer an Bord der 7-Uhr-Maschine sind die beiden braun gebrannten französischen Flugbegleiter. Als sie dann in der Bordküche anfangen, auf den Speisewägen Percussion zu spielen, zu kichern und sich gesellig zu unterhalten, ist man als verschlafener Passagier ein wenig irritiert: "in ich genervt, weil ich meine Ruhe haben will, oder beneide ich die beiden einfach um ihre unbändige Lebensfreude?"
MARSEILLE
Wer Karriere machen will, geht nach Paris. Wer das Leben locker nimmt und es genießen will, der geht nach Marseille. Viele nennen sie auch scherzhaft die erste Stadt des afrikanischen Kontinents in Anspielung auf die hohe Zahl der arabischen und nordafrikanischen Einwanderer. Dementsprechend entspannt ist hier auch das Lebensgefühl, geprägt von Multikulturalität und dem Charme des Unperfekten – auch wenn Jahrelang hohe Kriminalität die Lebensfreude ein wenig trübte.
Marseille ist das unprätentiöse Gegenstück zum geschäftigen und wichtigen Paris, wo Unfreundlichkeit und Hochnäsigkeit in höheren Kreisen nicht nur als schick gelten, sondern auch vonnöten sind, um aufzusteigen und dazuzugehören. Wer in Paris freundlich lächelt und nett fragt, wird sowohl in edlen Kaufhäusern als auch vor den besten Clubs gern übersehen. Gerade deswegen zieht es viele von Paris in den Süden mit seiner lockeren mediterranen Lebenseinstellung. Wenn hier mal eine Supermarktkasse vor einer Meute wartender Kunden ausfällt, wird nicht gleich geschimpft und getobt wie in der französischen Hauptstadt. Stattdessen wird die längere Wartezeit mit einer geselligen Unterhaltung überbrück.
Im Gegensatz zu Paris oder Nizza ist Marseille keine klassische Touristenhochburg und hat sich noch ein wenig ihren rustikalen Charme bewahrt. Besonders deutlich wird dies am alten Hafen, wo die Fischer ihren Tagesfang in einer Kulisse aus edlen Jachten und schäbigen Fischerboten anbieten. Blutig und vollkommen ungeschminkt wird hier alles vor den Augen des Kunden ausgenommen, was am frühen Morgen im Fischernetz gelandet ist. Kein Anblick für empfindliche Naturen, aber ein authentischer Einblick in das herbe Leben der Fischer.
Wenige Meter vom alten Hafen entfernt findet man in der Fußgängerzone Rue Saint-Ferréol das ganze Repertoire des modernen Shoppings. Aber auch schon auf dem Weg dorthin verbergen sich in den typisch französischen Gassen einige interessante Designerläden, die einen Besuch wert sind. Wer Lust auf ein orientalisches Erlebnis hat, der muss nur ein paar Schritte landeinwärts von der Rue Saint-Ferréol Richtung „Théatre Mazenod“ laufen. Schon fühlt man sich wie auf einem arabischen Bazar: Ramschware sowie Obst und Gemüse werden hier noch wie auf einem arabischen Souk in kleinen Gassen oder auf einem Markplatz angeboten.
PARTY & NIGHTLIFE
Marseille verfügt über die größte und vielfältigste Szene in Südfrankreich, und so kommt man auch als abenteuerlustiger Nachtmensch voll auf seine Kosten. Bereits wenige Meter vom alten Hafen entfernt findet man in der Rue Beauvau die unscheinbare "Get Bar". Wer ordentlich Party machen will, sollte in "The New Cancan" (NEWCANCAN.COM) seine Erfüllung finden. Der Club liegt einen Steinwurf von der Metrostation "Noailles2 entfernt in der Rue Sénac de Meilhan und gilt als die älteste Szene-Disco Frankreichs. Und wer Lust auf Indoor-Cruising hat, der wird in der "Trash Bar2 (TRASH-BAR.COM) mir ihrem verlockenden Darkroom bedient.
Doch gerade das milde Klima animiert zum Aufenthalt im Freien, und so bietet Marseille eine Menge an Outdoor-Möglichkeiten, wo sich die Szene trifft, vornehmlich auf der Suche nach einem netten Abenteuer. Nicht weit vom Stadtzentrum entfernt am südlichen Zipfel „Anse des Cuivres“ liegt ein beliebtes Cruising-Gebiet, welches ursprünglich gerne von Matrosen und ihren Liebhabern besucht wurde. Wer sein Abenteuer mit einem schönen Strandaufenthalt kombinieren möchte und auf FKK steht, der sollte zum etwas abseits der Stadt gelegenen Strand "Mont Rose" aufbrechen. Am besten zu erreichen mit der Buslinie 29 bis zur Haltestelle "Madrague".
LA PROVENCE
Marseille eignet sich als idealer Ausgangspunkt für eine pittoreske Autotour durch die Provence. Nach dem Nightlife und geschäftigen Großstadttrubel von Marseille ist ein Ausflug in das malerische Städtchen St. Rémy, etwa eine Autostunde entfernt, das ideale Kontrastprogramm. Obwohl in der Hochsaison bei Touristen sehr bliebt, hat sich die 9.000-Einwohner-Stadt ihren provenzalischen Charme bewahrt. Der Geburtsort von Nostradamus (1503), in dem auch van Gogh rund ein Jahr in der städtischen Irrenanstalt verbrachte, zeichnet sich besonders durch seine zahlreichen Kunstgalerien und Cafés in der romantischen Altstadt aus.
Wer durch die Gassen streift, der findet auch kleine Perlen wie die Backstube "Le Petit Duc" (PETIT-DUC.COM) von Hermann Van Beeck. Er hat sich der traditionellen Keksbackkunst verschrieben und experimentiert seit einigen Jahren mit eigenen, aber vor allem auch traditionellen, jahrhundertealten Backrezepten. Seine Philosophie ist die reine Backkunst, mit einfachen Rezepten und ohne künstliche Zusätze wie Konservierungsstoffe. Gleich nebenan befindet sich das Paradies für Schokoholics: Der Schokolatier Joel Durand (CHOCOLAT-DURAND.COM) offeriert hier die wohl sündigsten Schokokreationen der Region. Ein Highlight sind die Alphabet-Pralinen. Dabei steht jeder Buchstabe für je eine ausgefallene Geschmackskomposition wie zum Beispiel Aprikose-Lavendel, Birne-Olive oder Zitrone-Anis.
Für eine Übernachtung in St. Rémy empfiehlt sich besonders das liebevoll hergerichtete Designhotel "Les Ateliers de L’Image". Die großen, zeitgenössisch eingerichteten Zimmer sind mit feinstem High-Tech-Equipment von Bang & Olufsen ausgestattet und bieten zudem einen herrlichen Ausblick von riesigen Terrassen auf den hauseigenen Garten. Eine sehr eindrucksvoll moderne Unterkunft inmitten einer klassisch-traditionellen Kulisse für romantische Nächte.
Wenige Kilometer von St. Rémy entfernt liegt der Lubéron, ein lang gestreckter Bergzug, der für seine Dörfer bekannt ist. Mittlerweile gilt es als chic, in dieser idyllischen Lage einen Zweitwohnsitz zu haben, zum Beispiel Stars wie John Malkovich. Als Zwischenstopp auf einer Autotour ist besonders gut Bonnieux geeignet, das mit seinen 1.500 Einwohnern eines der größten Dörfer des Lubérons darstellt. Dort findet man auch "Le Fournil" ein stimmungsvolles, in eine Höhle hineingebautes Restaurant, das auch mit seiner riesigen Sommerterrasse und leckerer provenzalischer Küche zum Verweilen einlädt.
DAS LEBEN GENIESSEN
Neben der eindrucksvollen Natur mit violett schimmernden Lavendelfeldern und dem romantischen Charme von himmelblauen Fensterläden an rustikalen Häuserfassaden sind es vor allem die Menschen und ihre Geschichten, die die Provence zu einem außergewöhnlichen Teil Frankreichs machen. Es scheint fast, als sei diese Region eine Aussteigerhochburg. Wer es satt, hat unter dem Schaffensdruck der Übermetropole Paris zu stehen, oder alles schon erreicht hat, der zieht in den Süden und verwirklicht seine Träume.
Wie zum Beispiel Catherine Rouland, die sich mit ihrer langjährigen Lebenspartnerin Babeth ein Stück Land in den Bergen gekauft hat und auf ihrem provenzalischen Bauernhof "Les Espagnols" fantastischen Ziegenkäse herstellt, der als "Chevredou" in den besten Restaurants der Umgebung angeboten wird. Wen der Geruch von über vierzig Schafen nicht stört, der kann sich bei Babeth und Cathy ein voll eingerichtetes Zimmer schon ab 50 Euro mieten und die Provence von ihrer ganz ursprünglichen Seite erleben.
Frankreich, das bedeutet natürlich auch allerfeinste Küche. Im Süden und in der Provence sind es eher einfache Gerichte mit guten lokalen Zutaten und hauptsächlich mit frischem Fisch sowie Meeresfrüchten auf der Speisekarte. Bei den Franzosen gilt meist die umgekehrte Reihenfolge bei der Mahlzeitengröße: zum Frühstück gibt es wenig, zu Mittag etwas mehr und am Abend wird dann ordentlich aufgetischt.
Das berühmte morgendliche "petit déjeuner" bedeutet meist nicht viel mehr als Kaffee, Croissants mit Marmelade sowie süßes Gebäck. Zwischen 12 und 15 Uhr ist die Mittagessenszeit, die man nutzen sollte, da viele Restaurants am Nachmittag schließen und erst abends wieder öffnen. Ab 20 Uhr wird dann gesellig, oft in großer Runde und auch stundenlang, mehrgängig diniert, was eben die französische Essenskultur besonders auszeichnet. Und spätestens dann fühlt man sich bei Fisch & Wein wie Gott in Frankreich. GAY-PROVENCE.COM
INFO
BEST RESTAURANT
Wen es an die Côte d’Azure südlich von St. Tropez verschlägt, der sollte unbedingt das MAURIN DES MAURES besuchen. Nicht das kreischend bunte Interieur, sondern die exquisite provenzalische Küche mit frisch gefangenem Fisch und Meeresfrüchten sind den Abstecher wert. MAURIN-DES-MAURES.COM
In Marseille empfiehlt sich das bei der Szene beliebte Restaurant LES DANAIDES am Square Stalingrad 6.
BEST CLUB
Wer in Marseille feiern möchte, darf THE NEW CANCAN nicht auslassen. Es gilt als eine Institution in der Stadt und ist dementsprechend gut besucht. NEWCANCAN.COM
BEST BAR
Wer Lust auf einen Drink und eventuell Indoor-Cruising hat, der wird in der TRASH BAR mir ihrem verlockenden Darkroom bedient. TRASH-BAR.COM
WHERE TO STAY
LES ATELIERS DE L’IMAGE ist ein modernes Designhotel inmitten der Altstadt von St. Rémy und eignet sich ideal als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Provence. HOTELPHOTO.COM
Wer in Marseille nach einer charmanten Unterkunft sucht, wird im LE RYAD fündig. Im marokkanischen Stil gehalten richtet sich die Pension vorrangig an Szenebesucher. LERYAD.FR
BEST SHOPPING
Ideal zum Shoppen eignet sich die Fußgängerzone RUE SAINT-FERRÉOL in Marseille, wenige Meter vom alten Hafen entfernt. Alle wichtigen Stadtinfos gibt es unter: MAR
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