Reise
 
 

KIEW

JUNG UND SCHWUL?

Mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 und der damit verbundenen Unabhängigkeit der Ukraine – dem zweitgrößten Land Europas – erlebte die Bevölkerung eine soziale Reform. Doch auch wenn die Ukraine flächenmäßig riesig ist, die Toleranz gegenüber Homos bleibt klein. Trotzdem wächst und gedeiht die Szene in der Hauptstadt Kiew langsam aber stetig.

FAST WIE FRÜHER

Wie zeitversetzt erleben ukrainische Schwule in Kiew gerade einen echten Boom der Szene. Transen-Shows sind noch originell, die Klubs im Dunkeln, wenn auch nicht mehr versteckt, und die 2,5-Millionen-Stadt kann mit einer unverbrauchten, jungen, schwulen Partykultur angeben. Ganz vorne mit dabei ist der „Androgin Night Club“ (vul. Garmatnaja 26/2) mit einem Mix aus Touristen und Ukrainern, ukrainischer und russischer Popmusik, einer lauten Tanzfläche und einer ruhigeren Bar. Als eine der lustigsten Homo-Veranstaltungen Kiews gilt die „Gay Party“ im NIKA Club (jeden Freitag, vul. Dowschenko 16). Eher genügsam geht es in den wenigen Bars der Stadt zu „Stary Kiev“ war die erste und lange Zeit auch die einzige schwule Kneipe Kiews und ist noch heute ein Treffpunkt für Ortsansässige und Besucher (vul. Kreschtschatyk 52). Ein Muss für deutsche Touristen ist sicher „Erick’s Bar“, weil teilweise deutschsprachig. Das Lokal ist zwar nicht ausschließlich schwul, aber abends trifft sich hier das Künstlervolk, darunter – natürlich – jede Menge Kerle, die auf Kerle stehen.

ANDERS ALS MANN DENKT

Jeder, der vor seiner Kiew-Reise das Weltnetz schon nach Ausflugsmöglichkeiten und Homo-Hotspots durchsucht hat, wird eher früher als später auf die vielen Dating-Angebote in der Stadt stoßen, aber: Auch wenn die Dating-Portale mit der „wahren Liebe“ locken, meint man hier doch eher die Ware ohne h. Die Liebe ist meist von der Größe des Geldbeutels und weniger von der des Herzen abhängig, denn wie in vielen osteuropäischen Großstädten hoffen die Jungs und Männer auf Kohle und verlangen nicht selten nach einem Treffen jede Menge Euros für den – wie sich dann herausstellt – Escort-Service. Und Escort heißt nun mal, für Begleitung zu bezahlen. Leichter und günstiger ist es da, einen der vielen Cruising-Plätze der Stadt zu besuchen. Wie auch die Klubs noch so schön retro sind, wird auch die traditionelle Klappe hier noch stark frequentiert. Wer auf nicht ganz hygienischen, aber unkomplizierten und schnellen Sex steht, braucht bloß im Web nach den besten Plätzen suchen oder abends mal in den Schewtschenko-Park (in Nähe der Uni) kommen. Dort wird man dir sicher weiterhelfen können. Neben Glory Holes und der Zeitreise in die eigene schwule Vergangenheit kann man als Kiew-Touri aber auch historische Stätten anderer Art bestaunen.

BESSER ALS NEW YORK

Von der Sophienkathedrale über das Kiewer Höhlenkloster bis hin zur Mutter-Heimat-Statue bietet die ehemalige Sowjet-Stadt einiges an Denkmälern, Kulturstätten und Sakralbauten. Gerade die Mutter-Heimat-Stätte ist ein Erinnerungsfoto wert. Gebaut wurde sie in Gedenken an den zweiten Weltkrieg und den „vaterländischen Widerstand“. Mit Sockel und Schwert misst die Gute 102 Meter und ist damit größer als die New Yorker Freiheitsstatue. Und noch einen Vorteil hat Kiew gegenüber dem Big Apple: Alles ist mindestens halb so teuer, aber dafür doppelt so alt und somit, wenn auch nicht gleich interessanter, zumindest gehaltvoller. Die Stadt tritt noch weit vor dem Jahr 1000 erstmals in Erscheinung, und so wundert es nicht, dass das Goldene Tor, die Klosterkathedrale oder der Marienpalast auch schon einige hundert Jahre auf dem Buckel haben. Wie es sich für eine echte Hauptstadt gehört, werden zahllose Touren zu allen Sehenswürdigkeiten angeboten. Einfach mal an der Hotelrezeption nachfragen, dort bekommt man im mittlerweile moderneren Kiew auch problemlos Infos zu den schwulen Highlights der Stadt. •fj

24 STUNDEN

Die Kiewer Jungs wissen zu feiern, und vor allem zu trinken! Klar, schließlich erwartet man das auch von Kerls, die, wie es das Stereotyp vorgibt, Wodka mit der Muttermilch aufgesogen haben. Aber noch etwas anderes macht einen Tag in der ukrainischen Hauptstadt zum Erlebnis: die alten Prachtbauten und Gebäude aus Zarenzeiten. Geld ausgeben und Party machen ist aber auch drin – blu weiß wo. •Vladimir Esipov/fj

10 Uhr

Ein Spaziergang an einem sommerlichen Wochenende über die Hauptstraße Kreschtschatyk vermittelt den besten Eindruck von der Stadt. Hier tanzt und singt die ukrainische Seele auf einem für Autos gesperrten Boulevard. Wer den ganzen Tag nicht ohne den Klang einer Kasse und ohne dem wohligen Piepsen beim Scannen von Barcodes verbringen kann, dem sei gesagt, dass es sich hier auch wunderbar einkaufen lässt.

18 Uhr

Perwak (vul. Rognedinskaja 2) bietet beste ukrainische Küche für Anfänger und Fortgeschrittene. Kein Szene-Ort, jedoch ein Muss für Fans osteuropäischer Küche. In der authentischen Atmosphäre hundert Jahre alter Gemäuer werden landestypische Gerichte serviert. Eine Reservierung ist hier immer empfehlenswert!

20 Uhr

Pomada (vul. Zankowetskoj 6) ist ein modisches Café im Stadtzentrum und beliebter Szene-Treffpunkt mit wechselnden Shows und DJs, die meistens Popmusik auflegen. Im Pomada trifft sich ein eher gemischtes Publikum, das nicht unbedingt schwul, aber immer schwulenfreundlich ist.

22 Uhr

Androgin (vul. Garmatnaja 26/2) ist der größte und der bekannteste Szene-Klub der Ukraine. Zwei Tanzflächen, auf denen Elektro und Pop gespielt wird, drei Bars, und ein Darkroom machen den Klub komplett. Geöffnet immer donnerstags bis sonntags. Ab und an gibt es auch Shows und gelegentliche Auftritte lokaler Pop-Stars. Der beste Ort für eine Samstagnacht von 22 bis 6 Uhr.

2 Uhr

M-Club (vul. Artema 10 A) ist nicht die beste, sondern die einzige reine Männer-Sauna der Stadt. Relativ kleine Einrichtung mit Schwimmbecken, untergebracht im Keller eines Klubs. Geöffnet für Kiewer und Besucher immer Dienstag bis Sonntag von 19 bis 6 Uhr.

Best of Kiew

Best Bar

POMADA ist ein modisches Café im Zentrum der Stadt und beliebter Szene-Treffpunkt mit wechselnden Shows und DJs, die meistens Popmusik auflegen. Sehr gemischtes Publikum: ULIZA SANKOWETSKOJ 6.

Best Restaurant

PERWAK bietet beste ukrainische Küche für Anfänger und Fortgeschrittene. Kein Szene-Ort, jedoch ein Muss für Fans osteuropäischer Küche. In der authentischen Atmosphäre hundert Jahre alter Gemäuer werden landestypische Gerichte serviert. Reservierung empfehlenswert: ULIZA ROGNEDINSKAJA 2, TELEFON (+380 44) 235 09 52.

Best Club

ANDROGIN ist der größte und der bekannteste Szene-Club der Ukraine. Zwei Tanzflächen (Elektro und Pop), drei Bars, ein Darkroom. Geöffnet donnerstags bis sonntags, mit Shows und gelegentlichen Auftritten lokaler Pop-Stars. Der beste Ort für eine Sonnabendnacht von 22 bis 6 Uhr: ULIZA GARMATNAJA 26/2.

Best Sauna

M-CLUB ist nicht die beste, sondern die einzige reine Männer-Sauna der Stadt. Relativ kleine Einrichtung mit Schwimmbecken, untergebracht im Keller eines Clubs. Geöffnet dienstags bis sonntags von 19 bis 6 Uhr: ULIZA ARTEMA 10 A.

Must See

Ein Spaziergang an einem sommerlichen Wochenende über die Hauptstraße CHRESCHTSCHATIK vermittelt den besten Eindruck von der Stadt. Hier tanzt und singt die ukrainische Seele auf einem für Autos gesperrten Boulevard.

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