

ISTANBUL
ORIENT TRIFFT AUF OKZIDENT
Istanbul gilt mit seiner fast dreitausend Jahre alten Geschichte als eine der ältesten Städte der Welt. Aus dem griechischen Byzantion wurde unter den Römern Byzanz, unter Konstantin dem Großen Konstantinopel und im letzten Jahrhundert unter Kemal Atatürk das heutige Istanbul. Die Zwölf-Millionen-Metropole lebt von ihrem unerschöpflichen kulturellen Schatz und einer jungen, aufblühenden Szene.
VIELE NAMEN – EINE STADT
Kaum eine Weltstadt ist von solch einer spannenden Geschichte geprägt wie Istanbul. Ein wichtiger Grund dafür ist die günstige geografische Lage: Direkt am Bosporus gelegen, der das Schwarze Meer mit dem Marmarameer verbindet, welches wiederum in das Mittelmeer mündet, wurde es zum bedeutsamen und stark umkämpften Handelszentrum. Wer die Vorgeschichte des heutigen Istanbuls nicht kennt, wird Probleme haben, die Stadt zu verstehen. Deswegen lohnt sich an dieser Stelle ein kleiner historischer Exkurs.
Die Stadtgründung wird auf das 7. Jahrhundert v. Chr. datiert. Die Griechen gründeten auf der europäischen Bosporus-Seite eine Kolonie namens Byzantion. Danach folgten Besatzungen fast im Jahrhundertrhythmus durch die Lydier, die Perser, die Athener und die Mazedonier, bis
64 v. Chr. die Römer die Stadt als Byzanz eroberten. Später verlagerte Konstantin der Große im Jahr 324 den Hauptsitz des Römischen Reiches von Rom nach Byzanz, das in Konstantinopel umbenannt wurde.
Im 15. Jahrhundert wurde Konstantinopel durch Sultan Mehmed II. erobert und dem Osmanischen Reich einverleibt. Von da an stand die Stadt unter politischer wie auch religiöser Herrschaft der Osmanen. Erst Mustafa Kemal Pasa (1881–1938) gelang es, die Türken für den Unabhängigkeitskrieg zu mobilisieren. Als Atatürk ("Vater der Türken") wurde er zur Schlüsselfigur der modernen Türkei und ersetzte die arabische Schrift durch die lateinische, räumte Frauen mehr Rechte ein, führte die westliche Kleidung ein und benannte schließlich 1930 Konstantinopel in Istanbul um.
DAS HERZ AM RECHTEN FLECK
Die Hauptschlagader der Stadt heißt Istiklal Caddesi und führt quer durch Beyoglu. Von Mittag bis Mitternacht flanieren abertausende Menschen in der kilometerlangen Fußgängerzone, in der eine romantische kleine Straßenbahn kursiert. In den unzähligen Seitengassen und Parallelstraßen der Istiklal Caddesi verbirgt sich die Café-, Bar- und Restaurantkultur. Zur späten Stunde wird hier ausgelassen bei Lifemusik gefeiert, denn fast jedes Lokal beschallt mit einem Musiker oder einer kleinen Band die Laufkundschaft.HINTER DEM SCHLEIER
Die ansässige Szene ist angenehm überschaubar und vollkommen ausreichend, um exzessiv zu feiern. Doch eine Szene im klassischen Sinn mit einem Netzwerk, Vereinen, Stadtmagazinen und spezifischen Angeboten wie Fetishclubs ist es nicht. Stattdessen sind Homo- und noch vielmehr Bisexualität allgegenwärtig. Auf der Straße sieht man Männer umarmt, eingehakt oder sogar Hand in Hand laufend. Dabei entsteht der Eindruck einer sehr homophilen Gesellschaft, auch wenn dieser Körperkontakt zwischen Männern nicht als sexuell gewertet wird.
Da kaum eine Familie je einen schwulen Sohn akzeptieren würde, flüchten sich immer noch viele in die Ehe, um die Ehre der Familie nicht zu verletzen und Ausgrenzung zu vermeiden. Es wird sogar davon berichtet, dass viele Männer in diesen Zweck-Ehen ihre Frauen vor offene Tatsachen stellen und ihnen ein gutes Leben versprechen, wenn sie es akzeptieren, dass der Mann nebenbei auch mit Männern Sex oder sogar Beziehungen hat. All das erweckt den Eindruck, dass viel im Verborgenen passiert und man muss nur mit offenen Augen durch die Stadt laufen, um Gelegenheiten für ein nettes Kennenlernen oder mehr wahrzunehmen.
Die Istiklal Caddesi ist nicht nur Einkaufsmeile, sondern auch Cruising-Gebiet. In den Seitenstraßen verbergen sich Etablissements wie die Aquarius Sauna mit Escortboys, der Club Privé mit Strichern oder die Partylocation Sahra (Sadri Alisik Cad. 67). Letztere ist ein gutes Beispiel einer verschleierten Gesellschaft: Dass mitten im Wohnviertel auf bis zu vier Etagen plus Terrasse ein mit Drogen voll gepumptes Partyvolk aus Boy-next-door-Typen und unzähligen Transen feiert, kümmert die Polizisten vom benachbarten Polizeirevier anscheinend wenig. In so manch katholisch geprägtem Land Europas wäre das so nicht vorstellbar.
Ein anderes Phänomen ist die recht große Transenszene. Aus der ganzen Türkei kommen junge Männer nach Istanbul, um ihre Sexualität auszuleben. Einige von ihnen verdienen sich den Lebensunterhalt auf dem Transenstrich. In der Türkischen Gesellschaft haben klassische Geschlechterrollen sowie Ehre und Stolz immer noch einen hohen Stellenwert. Das spiegelt sich auch in der Sexualität wider, indem viele Männer lieber mit einer Transe Sex haben als mit einem anderen Mann. Dadurch fühlen sie sich in ihrer Männlichkeit bestätigt, ihre Ehre und Stolz bleiben gewahrt. So haben feminine und passive Männer eher die Chance, von einem Mann angemacht zu werden, als maskulin und aktiv wirkende.
LIEBE AUF DEN ZWEITEN BLICK
Istanbul ist eine Stadt, in die man sich erst auf den zweiten Blick verliebt: Hat man sich an das Verkehrschaos gewöhnt, gelernt clever um die unzähligen Produktplagiate zu feilschen und die richtigen Clubs und Bars ausfindig gemacht, dann wird man am Bosporus sehr viel Spaß haben und vielleicht sogar eine neue lockere Lebenseinstellung bei sich entdecken.
Beim Erstbesuch der Stadt lohnt es sich auf einen Reiseveranstalter zu vertrauen. Mantours ist der erste und einzige Reiseveranstalter, der Reisen für Schwule in die Türkei und nach Istanbul organisiert. Die Reisenden dürfen sich dann auf gayfriendly Hotels, ein interessantes Kulturprogramm, die angesagtesten Partylocations sowie aufregende Hamam-Besuche freuen. – Istanbul at it’s best! MANTOURS.DE
INFO
TAXIS, CLUBS & PLAGIATE
Auf Istanbul sollte man sich entweder mit viel Verhandlungstheorie vorbereiten oder damit abfinden, dass Touristen willkommene Opfer sind. Taxis sind theoretisch günstig, aber leider spielen die Fahrer oft den Unwissenden auf der Suche nach einer Straße und kassieren so ab. Außerdem: Niemals den Taxifahrer ein prall gefülltes Portmonee sehen lassen! Beim Besuch von Clubs wie dem Sahra oder Sehenswürdigkeiten wie dem Galata-Turm zahlen Touristen etwas mehr als Einheimische. Die Stadt am Bosporus ist ein Paradies für Plagiat-Fans, jedoch sollte man die genannten Preise auf mindestens die Hälfte drücken. Beim Essen und bei Modewaren gilt: Günstig ist meist schlecht – gut ist teuer. In fast allen Lokalen und Clubs ist Alkohol unverhältnismäßig teuer. Kreditkarten werden nicht überall akzeptiert.
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