

LISSABON
DAS LICHT AM FLUSS
Lisboa, Lisbon, Lissabon, Lisbonne, Lisbona ... keine andere europäische Metropole ist unter so vielen verschiedenen Namen bekannt. So vielfältig wie ihre Namen ist das Nachtleben der Stadt am Fluss Tejo. Vom Bairro Alto, dem "hohen Bezirk", bis zum Cais do Sobré, dem Flussufer, verwandeln sich die Straßen von Lissabon nachts in ein Labyrinth für Vergnügungssüchtige.
ACHTERBAHN-FEELING
Lissabon ist eine Achterbahn: Sieben Hügel bilden den Kern der Stadt, obwohl Touristen nicht mehr als drei Hügel zu sehen bekommen. Auf der Terrasse des Hotels Bairro Alto lässt sich ein fantastischer Kaffee ebenso genießen wie die wunderschöne Aussicht auf die Stadt. Danach nimmt man die Tram im Bairro Alto, zum Beispiel am Platz Luís de Camões. Die Oldtimer-Tram, die aus nur einem Wagen besteht, fährt abwärts durch die "niedrige Zone", Baixa genannt, und wieder zum Alfama hoch – und das in nur fünf Minuten. Achterbahn-Gefühl garantiert.
Auf Alfama, dem höchsten Hügel von Lissabon, thront das Castelo de São Jorge und ist das älteste Bauwerk der Stadt. Vom Alfama aus haben bereits die Römer, Westgoten, Mauren und andere Völker beobachtet, wie der Fluss Tejo in den Ozean mündet.
Heutzutage leben 25 Prozent der portugiesischen Bevölkerung in Lissabon und im Umland, das sind über zweieinhalb Millionen Menschen. Eine bunt gemischte Gesellschaft, in der Einwohner der ehemaligen portugiesischen Kolonien wie Mosambik, Madagaskar, Brasilien und Kap Verde ihren Platz gefunden haben. Die kreolischen Lieder von Cesárea Évora aus Kap Verde, eine Mischung aus europäischen und karibischen Rhythmen, haben sich zu dem Fado, einer melancholischen Musikrichtung aus Lissabon, hinzugesellt.
Was sich über die Jahre nicht verändert hat, ist die Liebe der Portugiesen zu diversen Backwaren. Jedes dritte Geschäft in der Hauptstadt ist eine Pastelaria, eine Mischung aus Bäckerei und Café, wo die Pasteis, herzhafte oder süße Mini-Pasteten und Törtchen, der Renner sind. Man bestellt einen Bica (Espresso) und zwei Pasteis, danach ist man wieder ausreichend gestärkt für das stressige Leben in den Straßen Lissabons.
Das beliebteste Gebäck in der Hauptstadt ist die sogennante Pastel de Belém. Um sie zu finden, pilgern die Portugiesen und die Touristen bis Belém, ein Stadtviertel am Fluss, mit der Ausrede die vielen Sehwürdigkeiten in dieser Gegend besichtigen zu wollen. Nach eingehender Betrachtung des spätgotischen Klosters Mosteiro dos Jerónimos, des Turmes Torre de Belém – eigentlich als Leuchtturm auf einem Felsen im 16. Jahrhundert erbaut – und des Denkmals der Entdeckungen sind nur die Wenigsten enttäuscht vom starken Zimtgeschmack der Pasteis de Belém.
LISSABON BY NIGHT
Wenn das Tageslicht langsam erlischt, wandelt sich auch das Stadtbild: Die Geschäftleute und die Touristen, die sich tagsüber die Baixa teilen, überlassen dem partyhungrigen Volk die Straßen.
Homosexualität ist in Portugal seit 1945 legal und das ist deutlich zu merken. Vor allem nachts, wenn sich auf den Straßen des Chiado un Bairro Alto alle Nachtschwärmer versammeln und durch das Labyrinth aus schmalen, langen oder kurzen Gassen, meist mit Gefälle, ziehen. Darin befinden sich hunderte von Bars, in denen die Leute schnell etwas kaufen, das sie dann meist vor den Eingängen gesellig konsumieren. Alles mischt sich untereinander und miteinander.
In dieser Melange boomt die Gay-Szene mit immer mehr Cafés, Kneipen und Clubs. Das Festival De Cinema Gay e Lésbico hat 2006 seinen zehnten Geburtstag gefeiert und erhielt ein außergewöhnliches Echo in der nationalen Presse. Lissabon ist bestimmt nicht der Nabel des schwulen Nachtlebens, aber die Anfänge der schwulen Subkultur ähnelten stark dem Lissabonner Nachtleben.
KAMPFGEIST
Die Portugiesen sind ein kämpferisches Volk. Schon unter römischer Herrschaft haben sie sich um ihre Unabhängigkeit bemüht. Viriato, der Held von Lusitania, besiegte die Römer gleich mehrmals. Und der Feldherr Nuno Álvares Pereira kämpfte gegen die kastilianische Hegemonie im 14. Jahrhundert. Um dem Sieg zu feiern, wurde die Stadt Batalha gegründet und das Kloster von Santa Maria da Vitoría erbaut. Die Helden von damals werden durch die Fußballer von heute abgelöst, und die Unabhängigkeit von gestern ist dem Pragmatismus der Europäischen Union gewichen. In den Läden, die das Kloster von Batalha (112 Kilometer nördlich von Lissabon) umgeben, kann man die Trikots von Luís Figo und Cristiano Ronaldo, den Stars der Fußball-Nationalmannschaft, kaufen. Laut der jüngsten Umfrage der Zeitung "Sol" denken 28 Prozent der Portugiesen, dass es ihnen besser ginge, wenn Portugal zu Spanien gehören würde. Nichtsdestotrotz zeigt sich der ungebrochene Nationalstolz bei den Rauchern. "Português" ist eine der beliebtesten Zigarettenmarken.
BEST OF LISSABON
WHERE TO STAY?
In dem neusten BAIRRO ALTO HOTEL. Der minimalistische und koloniale Stil inmitten der Altstadt macht das Hotel zur besten Wahl für Luxuskunden. Praça Luís de Camões 8, BAIRROALTOHOTEL.COM
BEST CLUB
LUX FRÁGIL, der coolste Club der Stadt. Erst ab 2 Uhr morgens gut besucht. Di–Sa 22–6 Uhr. Av. Infante D. Henrique, Warenhaus A, LUXFRAGIL.COM
BEST RESTAURANT
BICA DO SAPATO im Stil der 1960er Jahre. Von Sushi bis Ravioli in einem ehemaligen Speicher direkt am Fluss Tejo. Di–Sa 12:30–14:30 Uhr und 20–23:30 Uhr. Av. Infante D. Henrique, Warenhaus B
BEST CAFE
BRASILEIRA DO CHIADO, seit 1905 das schönste Kaffeehaus der Stadt. Rua Garrett 120–122
DON’T MISS
Die EXPERIMENTADESIGN, ein internationaler Event für Design, Architektur und zeitgenössische Kultur, findet in jedem ungeraden Jahr statt. EXPERIMENTADESIGN.PT
MUST HAVE
Die LISBOA CARD ermöglicht die Fahrt in allen Bussen, Straßenbahnen und Aufzügen sowie in der U-Bahn. Außerdem erhält man zusätzlich freien Eintritt in dreißig Museen und Sehenswürdigkeiten. Die Karte kostet für 72 Stunden 26,55 Euro und ist bei Touristeninformationsstellen erhältlich.
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