Reise
 
 

ISRAEL

DIE ALL-IN-ONE-DESTINATION

Israel hat ein Imageproblem: Das Heilige Land gilt als ausgesprochen un-sexy. Wer an Israel denkt, assoziiert in erster Linie unlösbare religiöse Konflikte und die damit verbundene Gewalt. Die meisten Reisenden sind entweder religiöse Pilger oder sie besuchen ihre jüdischen Verwandten und machen Urlaub im Gelobten Land. Die heikle politische Situation in Nahost liegt wie eine schwere Dunstwolke über Israel – zumindest in den ausländischen Medien. Es gibt kaum ein anderes Land, bei dem die Diskrepanz zwischen medialer Berichterstattung und realer Wirklichkeit so groß ist wie hier. Höchste Zeit, Israel so zu zeigen, wie es tatsächlich ist: voll ansteckender Lebensfreude, begeisternder Natürlichkeit, überraschender Offenheit und ungeahnter Vielfalt.

AN DER WIEGE DER SCHÖNHEIT

Wer Israel besucht hat, der weiß: Israel ist sexy – verdammt sexy sogar! Das liegt vor allem an den Männern, die das Beste aus 150 verschiedenen Nationen ihrer Vorfahren vereinen. Es ist eine natürliche, ungekünstelte Schönheit, die zwar stolz, aber ohne jegliche Arroganz getragen wird. Unglaublich, wie sexy Achsel-, Brust- und Bauchhaare aussehen können, wenn der Richtige sie trägt. Wohlproportionierte Körper, wunderschöne Gesichter, mediterrane Bräune und ein unprätentiöser Habitus betäuben den Verstand eines jeden Reisenden. Sie kommen aus Argentinien, Italien, Griechenland, Marokko, England, USA, Russland ... wenn es ein Männerparadies gibt, dann hier.
Die größte Hürde, die es zu nehmen gilt, ist allerdings die Einreise nach Israel. Schon am gesonderten Flughafenterminal der EL AL AIRLINES wird man vom Militär samt Panzer empfangen. Bevor das Reisegepäck penibel durchleuchtet wird, kommt zunächst ein Interview: wieso, weshalb, warum, auf wessen Einladung hin ... der Fragenkatalog scheint kein Ende zu nehmen und wird zur Geduldsprobe. Verdächtige Personen wie Journalisten, Reisende mit einem Passstempel aus arabischen Ländern wie dem Libanon oder mit einem arabisch klingenden Namen können schon mal ein halbes Plauderstündchen einplanen. Doch spätestens, wenn man in der EL-AL-Maschine Platz genommen hat, weiß man die hohen Sicherheitsstandards zu schätzen. So sicher wie hier fühlt man sich in keinem anderen Passagierflugzeug der Welt.
In Tel Aviv angekommen, kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus: Das soll also Israel sein? Eine Strandpromenade und Mannsbilder wie in Rio, ein Nachtleben wie in Berlin und so kosmopolitisch wie New York – Wahnsinn! Verglichen mit Beirut, dem früheren „Paris des Nahen Ostens“, ist Tel Aviv das „Berlin des Nahen Ostens“. Kulturell bedingt ist es viel weniger von krassen Gegensätzen und snobistischer Reichtumsschau geprägt. Hier wird nicht geprotzt, man sieht kaum Luxusautos, eher wenige Label-Victims, und alles scheint so angenehm bodenständig, als seien sich die Menschen hier dessen bewusst, dass materielle Güter und ein Leben im Überfluss kein Glück bedeuten. Das Leben selbst ist hier das größte und wertvollste Glück – und das spürt man überall.
Bereits in den frühen Morgenstunden füllt sich die Lebensader der Stadt, die Mittelmeer-Promenade, mit Joggern, Walkern und Radfahrern. Im Laufe des Tages dominieren Sonnenhungrige und Wassersportler, und am Abend füllen sich die unzähligen stylischen Strandbars mit jungen Leuten. Noch spät in der Nacht flanieren hier Pärchen und hungrige Herzen, bis sie am Morgen von der Fitnessfraktion abgelöst werden.

DEM MILITÄR SEI DANK

Es ist schon sehr auffallend, wie jung und vital die Bevölkerung ist. Das hat vor allem zwei Gründe: Nachwuchs gilt unter Juden als das höchste Gut und so liegt die sogenannte Fertilitätsrate in Israel mit 2,4 Kindern pro Frau an der Spitze aller Industrienationen. Außerdem ist da noch der Militärdienst, den alle israelischen Männer ab dem 18. Lebensjahr 36 Monate lang ableisten müssen. Frauen übrigens auch, sie allerdings nur 24 Monate lang. Anschließend werden die Männer alljährlich bis zum 42. Lebensjahr für mindestens einen Monat zum Reservedienst eingezogen. Kein Wunder, dass den meisten jungen Männern ihre Fitness anzusehen ist und Israel über eine der potentesten Armeen weltweit verfügt.
Das Militär ist ein Grundpfeiler Israels und allgegenwärtig. Überall sieht man meist junge Soldaten in ihren auffällig coolen und lässigen Uniformen, die so wirken, als wären sie extra auf solch eine junge Zielgruppe zugeschnitten. Obwohl eine Verweigerung des Militärdienstes nicht anerkannt wird, steigt dennoch die Zahl der Verweigerer. Besonders problematische Zielgruppen, die ins Ausland zum Studium abzuwandern drohen, werden deshalb direkt umworben, so zum Beispiel Tänzer oder Homosexuelle. Die propagierte Toleranz durch Minderheitenschutz und eine eigene Lobby beim Militär ist zwar nicht uneigennützig und dient vorrangig der Truppenstärke, doch sie trifft genau den Kern der Gesellschaft: Wenn Schwule und Lesben in der Armee eine Lobby haben und akzeptiert werden, dann strahlt das auf die gesamte Bevölkerung aus.
Überhaupt scheint die Gesellschaft andere Probleme zu haben, als sich mit der sexuellen Orientierung aufzuhalten. Fortpflanzung ist wichtig. In Israel ist praktisch alles zugelassen, was diesem Zweck dient. Eine Familie ohne Kinder? Undenkbar! Selbst gleichgeschlechtliche Paare sind kurz davor, Kinder adoptieren zu dürfen. Wirtschaftliches Wachstum ist wichtig und in diesem Zusammenhang auch der Tourismus: Familien mit Kindern sind da eher schwierig zu locken, in ein Land, das von Feinden umgeben ist. Abenteuerlustige Männer hingegen kommen hier voll auf ihre Kosten.

MEER, MEER, MEER & MEHR

Israel hat alles, was man sich als Tourist wünscht: faszinierende Kulturschätze in Jerusalem, eine beeindruckende Wellnessoase am Toten Meer und pulsierendes Nachtleben in Tel Aviv. Die Mittelmeerküste im Westen, den Golf von Aquaba im Süden, das Tote Meer im Osten und den See Genezareth im Norden. Doch das Besondere ist die hohe Dichte der Sehenswürdigkeiten, denn Tel Aviv am Mittelmeer und das Tote Meer trennen gerade mal zwei Autostunden.
Genau dazwischen liegt Jerusalem, die heilige Stadt und der Kontrapunkt zum wenig sittsamen Leben der Mittelmeermetropole Tel Aviv. Obwohl nur sechzig Kilometer voneinander entfernt, könnten gesellschaftliche Gegensätze kaum größer sein. In Jerusalem spürt man sofort, dass hier ein ganz anderes gesellschaftliches Klima herrscht als im liberalen und unbelasteten Tel Aviv. Die heilige Stadt verkörpert den religiösen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen den ultra-orthodoxen und den modernen Juden, den Moslems und den Christen. Hier kam es auch zum Eklat, als 2005 der WorldPride stattfinden sollte. Zum ersten Mal vereinten sich alle drei Religionsgemeinschaften – ultra-orthodoxe Juden, Christen und Moslems – gegen die Austragung des CSD in Jerusalem. Mit „This is not the homo land, this ist he Holy Land“ brachte es Rabbi Yahuda Levin auf den Punkt. Aus politischer Sicht gab es hingegen grünes Licht für den WorldPride.
Das krasse Gegenteil ist Tel Aviv: Der alljährliche CSD im Juni zieht die ganze Community des Landes an und mutiert zu einer Mega-Party. Ausgelassen ziehen tausende von jungen Menschen durch die Innenstadt, die schon Tage vorher mit Regenbogenfahnen geschmückt ist. Der Umzug endet am berüchtigten Independence Park am Hilton Hotel, dem beliebtesten Cruising-Gebiet der Stadt, und mündet in eine rauschende Strandparty. Sinne betäubend bewegen sich tausende nass glänzender Körper unter sengender Mittelmeersonne zu den Rhythmen angesagter DJs. Eingerahmt wird der CSD von Partys auf internationalem Niveau mit Weltstars wie der DJane Offer Nissim oder der Pop-Transe Dana International und einem ausgelassen feiernden, nach Vergnügen gierenden Publikum.

JENSEITS VON EDEN

Besonders deutlich wird dies bei den sehr jungen Schwulen und Lesben, wo die Konfession und der familiäre Hintergrund zur Nebensache werden. Stattdessen leben sie bereits jetzt schon eine fortschrittliche, Grenzen überwindende Gesellschaftsform, die von Frieden, Freiheit, Gleichheit und Toleranz geprägt ist. Junge transsexuelle Palästinenser kommen aus dem Westjordanland, um in Szene-Clubs in Jerusalem und Tel Aviv aufzutreten. Sogar die Liebe zwischen Israelis und Palästinensern ist nichts Ungewöhnliches. Auffallend viele Frauen laufen Hand in Hand durch die Straßen, und im Independence Park am Hilton Hotel beginnt schon am frühen Abend die Suche nach dem schnellen Vergnügen.
Doch der Independence Park und der darunter liegende Strand sind viel mehr als nur ein stark frequentiertes Cruising-Gebiet. Hier ist eine surreale, süchtig machende Welt, in der sich zwischen Mittelmeergewächsen und Felsen, unter Meeresrauschen und greller Stadionbeleuchtung Menschen vereinen, wie es im realen Leben undenkbar wäre. Ultra-orthodoxe und moderne Juden, Moslems und Christen – sie alle „sündigen“ hier gleichermaßen. Faszinierend, welch vereinende Kraft von Homosexualität ausgeht! Noch faszinierender ist die Tatsache, dass es mitten im Nahen Osten geschieht. In Tel Aviv. In Israel.

INFO

MUST VISIT

Bewegende Einblicke in die grausame Vergangenheit der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg zeigt das Museum für Holocaustgeschichte YAD VASHEM in Jerusalem. YADVASHEM.ORG

WHERE TO STAY?

Optimal am Strand und unweit des Geschäftsbezirks gelegen verwöhnt das DAN TEL AVIV als Mitglied von THE LEADING HOTELS OF THE WORLD mit hohem Komfort, neuem Spa, Indoor- und Outdoor-Pool, sowie Fitnessstudio. DANHOTELS.COM

BEST TO RELAX

Der Strand am Hilton-Hotel ist sehr beliebt bei der Szene und wird gerne als Laufsteg genutzt. Ebenso an das Hilton Hotel grenzt der Independence Park, der bei Anbruch der Dunkelheit sich in einen großen Männer-Spielplatz verwandelt.

BEST BAR

EVITA ist die definitiv beste Location, um Abends nette Leute kennenzulernen. Trendiges Ambiente und tolle Stimmung, vor allem sonntags bei den Eurovision-Abenden; 31 YAVNE STREET.

BEST PARTY

Jeden zweiten Donnerstag findet die POP RING PARTY statt, die älteste Szene-Partyreihe Israels. Junges Publikum, Oriental-Pop- und Chart-Musik, nette Atmosphäre. POPRING.CO.IL/ENGLISH

BEST RESTAURANT

Lust auf Fisch und Meeresfrüchte in malerischer Kulisse? Dann ab zu FORTUNA DEL MAR direkt im Yachthafen von Tel Aviv

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