Reise
 
 

BEIRUT

CELEBRATE LIFE

Seit gerade mal vier Monaten ist der Krieg im Libanon vorbei, doch das Leben ging auch schon während des Bombardements durch Israel weiter. Während die Welt zitterte und eine Eskalation des Nahostkonfliktes befürchtete, stürzte sich die junge kosmopolitische Generation weiterhin ins Nachtleben der libanesischen Hauptstadt Beirut, um den Einschlagsgeräuschen der Bomben und Raketen zu entkommen. Nicht umsonst nennen die Einheimischen ihre Stadt "The city that would not die".

DIE FREIHEIT IM VISIER

Libanon ist ein krisengeschüttetes Land, das einen 15 Jahre währenden Bürgerkrieg hinter sich hat, der 1990 endete. Auch danach stand es unter israelischer und syrischer Besatzung. Erst vor eineinhalb Jahren, nach einem Autobombenanschlag am 14. Februar 2005 auf den ehemaligen langjährigen libanesischen Regierungschef Rafiq Hariri, wurde die Syrische Armee zum Rückzug gezwungen. Doch dem berauschenden Freiheitsgefühl der Libanesen setzten die Israelis im Sommer 2006 erneut ein Ende. Natürlich lassen sich die politischen Probleme des Landes, vor allem der gesellschaftliche Einfluss der israelfeindlichen Hisbollah, nicht missachten. Doch abseits aller politischen Konflikte formierte sich in den letzten 15 Jahren in der liberalsten Stadt der arabischen Welt eine von Aufbruchstimmung geprägte Fashion- und Partyszene. Beirut ist wie ein Rausch, ein Sog, der jeden in sich hineinzieht, der dazu bereit ist, sich auf das Abenteuer einzulassen. Der Moloch zählt schätzungsweise 1,5 Millionen Einwohner, doch ginge man nach der gefühlten Energie und Lebensdichte, müsste es das Zehnfache sein. Mangels öffentlicher Verkehrsmittel versinkt die Stadt in einem Chaos von Autoverkehr: quietschende Reifen auf abgefahrenem Asphalt, permanentes Hupen, Kämpfe wie David gegen Goliath zwischen schrottreifen Taxen und edelsten Millionärsvehikeln und die scheinbare Regel-losigkeit wirken wie ein Spiegel der extrem auseinanderdriftenden Gesellschaft.

PARIS DES NAHEN OSTENS

Beirut ist die Vergnügungsmetropole der arabischen Welt. All die Schönen und Superreichen kommen, um ein Leben abseits der üblichen moslemischen Restriktionen zu führen. Kein Wunder also, dass uns ein Taxifahrer offenherzig libanesische Prostituierte anbietet "to do anything you want to2 – und wir sind nicht in Moskau! Doch wie in Moskau spielt auch in Beirut der westliche Einfluss eine große Rolle.
Besonders durch die französische Okkupation der Stadt nach dem ersten Weltkrieg bis zum Ende des zweiten Weltkrieges ist der frankophile Einschlag nicht zu übersehen: Französisch gilt immer noch offiziell als die zweite Landessprache, knapp die Hälfte der Stadtbevölkerung sind Christen, das Stadtbild wird von neoklassizistischen Fassaden geprägt, und das sternenförmige Straßenschema folgt dem Pariser Vorbild.
Die große Vorliebe für Fashion und Shopping scheint ihren Ursprung ebenfalls in Paris zu haben. Es ist eine Augenweide zu beobachten, mit welcher Treffsicherheit sich die jungen Männer in Beirut kleiden. – Noch mehr begeistert jedoch die Selbstverständlichkeit, mit der sich jeder seinem Aussehen widmet.
Gutes Aussehen ist allgegenwärtig und über alle Alters- und Sozialschichten hinweg. Selbst Kassierer, Verkäufer oder Kellner sehen aus, als kämen sie gerade vom Mailänder Laufsteg. Egal ob "perfect body muscle boys" oder "handsome boy-next-door" – was bleibt, ist die offene Frage, woher denn diese geballte abendländische Männerschönheit und die in der Luft schwebende Homoerotik kommen.

LEBEN WIE IM WILDEN WESTEN

Neben französischen Einflüssen spielt auch der American Way of Life eine große Rolle: Das Leben wird zur großen Show, und Reichtum wird unverhohlen zur Schau getragen – frei nach dem Motto "bigger is better". Die westliche Kultur wird soweit adaptiert, dass es als besonders schick gilt, sich auf Englisch oder Französisch zu verständigen. Konsequenterweise nennt man die Innenstadt "Downtown" oder D.T., nur wenige benutzen den alten Namen "Ballet". Was der eigenen Kultur und Identität schadet, hilft den Touristen aus Westeuropa und den USA: Zum einen dient die Mehrsprachigkeit dem interkulturellen Austausch, und zum anderen sind westliche Besucher willkommene Gäste – insbesondere in der Szene. Es ist ratsam, vor dem Besuch der Stadt über eines der großen Internetportale wie Gaydar Bekanntschaften zu schließen, um einen Zugang zur Szene zu finden. Außerdem sind Urlaubsromanzen bei den Einheimischen sehr beliebt, da ein offen schwules Leben trotz einiger Ausgehmöglichkeiten praktisch unmöglich ist.
Die Libanesen sind generell sehr gastfreundlich und Besuchern gegenüber aufgeschlossen. Es ist einfach, ins Gespräch zu kommen, egal ob beim Shoppen, Sightseeing oder wenn man verbotenerweise fotografiert. Das omnipräsente Militär mahnt nämlich auch, wenn man zufällig das "falsche" Gebäude fotografiert. Es ist schon ein surreales Erlebnis, wenn ein bildhübscher, mit Gewähr bewaffneter Soldat einen zunächst zurechtweist und sich dann im weiteren Gesprächsverlauf für den nächsten Tag privat verabredet und willig seine Telefonnummer herausgibt.
Beirut ist voller Kontraste: Das vermeintliche Paradies der Schickeria aus dem mittleren Osten trägt die Spuren der vergangenen Kriege mit verfallenen Fassaden und leer stehenden Ruinen. Der partywütigen Gesellschaft aus dem In- und Ausland steht eine unterprivilegierte Minderheit von Palästinensern gegenüber, die die "Verwestlichung" Beiruts ablehnt. Aber es ist die ansteckende Lebensfreude der Menschen, dieser unbändige Lebenswille, das Carpe diem, das die Stadt trotz aller Probleme und Unsicherheiten so faszinierend macht. Das ist es, was Beirut den Beinamen "The city that would not die" verlieh. HELEM.NET

INFO

GAY-SOLIDARITY-TOUR

Für Juni 2007 plant der Reiseveranstalter DISCOVERY Fernreisen eine Gay-Solidarity-Tour nach Beirut. Daten und weitere Infos können direkt beim Veranstalter in Berlin erfragt werden. DISCOVERYWELTWEIT.DE

TAXI & SERVICE

Beirut ist keine Stadt, die man zu Fuß erkunden kann, hier dominieren Autos. Durch Anhupen bieten Taxis ihre Dienste an. Man ruft dem Taxifahrer einen Stadtteil zu, und wenn es auf seiner Route liegt, hält er an. Anschließend verlangt man einen Service, das bedeutet der Fahrer sammelt unterwegs Gäste ein, bis das Taxi voll ist. Dadurch sind die Preise günstiger. Service für kurze Strecken kostet 1.000 bis 3.000 Libanesische Lira, Taxi ab 5.000 LL. Den Preis sollte man vorher vereinbaren, da die Meisten keine Taxameter haben. Überall in der Stadt werden US-Dollar als Währung gern akzeptiert.

WHERE TO STAY?

Mitten im exklusiven Geschäfts- und Einkaufsviertel Verdun liegt das Boutique-Hotel FOUR POINTS BY SHERATON LE VERDUN mit Dachterrasse samt Pool und Bar. Zimmer können ab 130 Euro pro Nacht gebucht werden bei DISCOVERYWELTWEIT.DE

BEST CAFÉ

Das PETIT CAFE, in Corniche, neben dem Wahrzeichen der Stadt, dem "La Raouché"-Felsen, mit fantastischem Ausblick auf das Meer.

BEST CLUB

X-OM (Do & So ab 23 Uhr), in Sin El Fil nahe der Beirut Hall, in coolem UFO-Design und einer Outdoor-Chillout-Area. ACID (Fr & Sa 23 Uhr) im gleichen Stadtteil nahe dem Futuroscope ist eine Art Institution.

BEST PARTY

Für Partywütige nach dem ACID ab 3 Uhr ins BO18. B018.COM

WHERE TO MEET?

Das DUNKIN’ DONUTS in Downtown gilt mittlerweile schon als offizieller Treffpunkt der Szene: sehen und gesehen werden und sich kennenlernen ...

BEST TO RELAX

Das Badehaus AL SHEIKH gehört zu den modernsten und saubersten in Beirut mit vielfältigem Massageangebot. LEBTOUR.COM

BEST MASSAGE

Im CHAHRAZADE Badehaus im armenischen Stadtteil Bourj Hammoud kann man nicht nur cruisen, sondern vom Masseur gegen ein Extra-Trinkgeld einen Spezialservice bekommen.

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